1 Rezension |
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| 22.11.2009 |
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Eigentlich machen wir um "Griechen" einen großen Bogen. Schon der Gedanke an überwürzte Fleischplatten und eiskalten Ouzo schreckt uns für gewöhnlich ab.
Nun haben wir unter unseren Freunden begeisterte Elio-Fans. Sie lobten den Laden in den höchsten Tönen. Also bekam das Elio eines Freitagabend eine Chance. Leider bekamen wir keine. Das Restaurant war rappelvoll, und wir mussten uns mit leeren Mägen trollen.
Beim zweiten Versuch hatten wir vorbestellt und wurden freundlich empfangen. Das Ambiente ist überraschend modern und klassisch urban. Wertige Accessoires ergänzen sich klug mit einem ambitionierten Farb- und Lichtkonzept. Jedenfalls passt der Laden in die List und die gut situierten Lister ins Elio; da hat man sich gesucht und gefunden.
Das Team ist aufmerksam, aber vielleicht einen Tick zu reserviert. Die handgeschriebene Speisekarte macht einen sympathischen und einladenden Eindruck. Sie ist informativ, übersichtlich und macht Lust auf das Speise- und Getränkeangebot. Bei den Vorspeisen lassen wir uns gerne beraten. Als Hauptgericht wählen wir Fisch und Lamm. Dazu einigen wir uns auf eine Flasche Moschofileros. Dieser Weißwein überrascht mit dezenten Zitrusnoten und kräuterwürzigen Elementen seiner peloponnesischen Herkunft. Dazu wird Brot gereicht. Frisch und selbst gebackenes Weißbrot in fester Konsistenz und mit leckerer Kruste. Auf jedem Tisch steht eine Flasche mit hochwertigem Olivenöl. Wir tunken das duftende Brot in die gelbgrün leuchtende Flüssigkeit. Im Mund mischen sich die Bitterstoffe der Olive mit der geduldigen Milde des verbackenen Weizenmehls. Köstlich! Zum ersten Mal erfüllt sich das Motto des Ladens - einfach griechisch - mit kulinarischen Sinn.
Als Vorspeise serviert man uns gefüllte Weinblätter und Fischrogencreme. Der Lammhack-Reis in den gefüllten Weinblättern ist derart lecker, dass wir sogar mit einer zweiten Portion liebäugeln. Gut, das wir es nicht getan haben, denn die rosa Fischrogencreme, ist das geniale Kontrastprogramm. Ein frischer und eindeutiger Fischgeschmack in cremig lockerer Beschaffenheit. Wir müssen wieder Brot nachbestellen.
Als die Hauptgerichte kommen, hat sich in unseren Mägen schon eine zufriedene Sättigung breit gemacht. Das ist auch gut so, denn was nun angereicht wird, hinterlässt viel Weißraum auf völlig überdimensionierten Tellern. Und überhaupt: Diese eckigen Monster-Teller sind ein Platz raubendes Ärgernis. Sie gehören nach griechischer Manier an die Wand geschmissen.
Das Lammragout auf Reisnudeln macht die widrigen Umstände schnell vergessen. Die wenigen Fleischstücke sind zart, nicht faserig verkocht und eindeutig Lamm. Der rotbraune Sud ist eine schimmernde Komposition aus der feinen Bitternis von Wachholder, Zimtnoten und geheimnisvollen Kräutern. Was die Reisnudeln nicht gebunden haben, wird mit dem leckeren Brot weggetunkt. Der Lachs ist weniger spektakulär, aber dafür auf den Punkt kross-gebraten. Die Kruste hat eine delikate Rosmarinschärfe und das Lachsfleisch ist erstaunlich saftig geblieben. Die überschaubar beigelegten Limonenkartoffeln runden das fischige Oeuvre ab.
Unsere Vorurteile über die griechische Küche in Hannover sind nicht gänzlich ausgeräumt. Bis jetzt ist das Elio noch die löbliche Ausnahme, die die berühmte Regel bestätigt! Wenn weitere Hellenen diesem Beispiel folgen würden, bräuchten wir in Zukunft keine Bögen mehr um sie machen.
(Mia Culpa) |
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